De Tied de löpt und wi lopt mit“ -


Die Zeit die läuft und wir laufen mit. Dieser gerahmte Spruch hängt im Laden von Optiker und Uhrmacher Horst Krumme an der Provinzialstraße 399 zwischen seinem Meisterbrief und den Meisterbriefen vom Großvater und Vater. Offiziell am Freitag, 14. Dezember, feiert das Fachgeschäft in Bövinghausen 100-jähriges Jubiläum.
Alles begann 1912, als sich Opa Gustav Krumme an der Bövinghauser Straße, die seiner Zeit noch Kronprinzenstraße hieß, als „Uhrmacher- und Goldwarenhändler“ niederließ. „Damals wurde alles angeboten“, erinnert sich der heutige Eigentümer, Enkel Horst Krumme.
 

3. Generation beendet Geschichte



Dabei blättert er durch die Seiten von einem dicken Album. „Schmuck war ebenso im Angebot wie wertvolles Silberbesteck“. Seine Mutter hat damals Bilder, Fotos und Dokumente zur Firmengeschichte gesammelt und für die Nachwelt aufgehoben.

Vater Heinz Krumme trat 1952 in die Fußstapfen seines Vaters, bei dem er auch seine Uhrmacherlehre machte. Nach einigen Gesellenjahren in Hamburg und Ablegen der Meisterprüfung in Dortmund kam er nach Bövinghausen zurück. Hier baute er nach weiterer Ausbildung das Optikergeschäft aus. Zwangsläufig. Denn in den 60er Jahren überschwemmten Quarzuhren den Markt. Mechanische Uhren waren bei den Kunden nicht mehr gefragt.

 

„Viele Gesellen sind bei uns ausgebildet worden“, erinnert sich Horst Krumme. Das mag auch daran gelegen haben, dass Vater Heinz Krumme’s Stimme Gewicht in den Vorstandsgremien der Handwerkskammer hatte. In Abständen kommen immer mal die früheren „Stifte“ wieder zu geselligen Abenden zusammen und erinnern sich jener Jahre. Mit Horst Krumme, ausgebildeter Feinuhrmacher und Optikermeister, trat 1986 die dritte Generation an. Das Hauptgeschäft liegt inzwischen längst beim guten Sehen und Aussehen. Doch den Tüftler Horst Krumme lassen mechanische Uhren nicht los. Nicht nur die kleinen Zahnräder üben auf ihn immer noch eine besondere Faszination aus. „Oft kommen Kunden, die die alten Bergmann-Taschenuhren oder andere mechanische Uhren wie Wand- oder Standuhren repariert haben möchten“, sagt er. Dazu gehört ebenso Bövinghausens Kirchenuhr, die zwei Mal jährlich von ihm auf Winter- und Sommerzeit umgestellt werden muss und dabei zugleich einer fachmännischen Kontrolle unterzogen wird.  



Das 100-Jährige wird noch im Kunden- und Freundeskreis gefeiert. Doch irgendwann wird Schluss sein mit Optik Krumme in Bövinghausen. Horst Krumme, inzwischen 58 Jahre, will zwar „noch ein paar Jahre machen“, doch die dritte Generation beendet die Geschichte dieses alt eingesessenen Familienunternehmens. „Mein Sohn ist Techniker, meine Tochter im Finanzbereich tätig“, sagt er, „beide hatten kein Interesse an einer Geschäftsübernahme“. 

 

Quelle: www.derwesten.de 03.12.2012:17:56